Das Problem der vorzeitigen Ejakulation ist weit verbreitet, blieb aber lange ein Tabuthema. Die Betroffenen bringen das Thema kaum zur Sprache, denn mit der vorzeitigen Ejakulation kommt das Stigma schlecht beim Sex zu sein, die erwartete Leistung nicht zu erbringen. 30 – 40% der Männer sind davon betroffen.
Es geht hier nicht in erster Linie um die Zeitdauer. Man spricht von vorzeitiger Ejakulation, wenn der Samenerguss zu früh, reflexartig und vor allem unkontrolliert erfolgt. Sie kann sofort nach der Penetration oder nach 5 Minuten erfolgen. Der zentrale Punkt ist der Mangel an Kontrolle.
Amerikanische Forscher haben sich über diese Frage gebeugt und 1500 Männer und ihre Partner gebeten, ihr Sexualleben nach verschiedenen Kriterien (Kontrolle der Ejakulation, Befriedigung, persönliche Probleme, Probleme mit dem Partner und durchschnittliche Dauer zwischen Penetration und Ejakulation) zu beurteilen. Letztendlich fielen 207 Männer in die Kategorie der vorzeitigen Ejakulierer. Bei ihnen dauerte es durchschnittlich 1.8 Minuten (gegenüber 7.3 Minuten bei den übrigen Teilnehmern) zwischen Penetration und Samenerguss. Männer mit vorzeitigem Samenerguss gaben auch häufiger an, persönliche Probleme oder Probleme mit ihrem Partner zu haben und waren weniger zufrieden mit ihrem Sexualleben.
Probleme mit vorzeitiger Ejakulation können gleich ab Beginn der sexuellen Aktivität (primär) eines Mannes zuschlagen oder auch viel später, nach langjährigem, befriedigendem Sex (sekundär).
Ursachen
Männer mit vorzeitigem Samenerguss sind zu stark erregt, um die Empfindungen wahrzunehmen, die einem Orgasmus vorangehen. Deshalb kommen sie direkt und unkontrolliert zur Ejakulation, was sich negativ auf die Befriedigung aller Beteiligter auswirkt.
Gibt es Faktoren, die vorzeitige Ejakulation begünstigen?
Stress kann vorzeitige Ejakulation provozieren – und schnell stellt sich hier ein Teufelskreis her: Die Angst vor einem vorzeitigen Samenerguss verursacht dem Mann Stress und dieser Stress provoziert wiederum die vorzeitige Ejakulation.
Unstimmigkeit zwischen den Partnern kann vorzeitige Ejakulation fördern. Ein harmonisches Umfeld kann hingegen Ängste abbauen und die Tendenz zur vorzeitigen Ejakulation verkleinern. In Beziehungskrisen wird die vorzeitige Ejakulation oft als Ursache angeführt, obwohl sie wahrscheinlich eher die Folge von anderen, realen Problemen in der Beziehung ist.
Behandlung
Lernmethoden zur Kontrolle des Samenergusses zeigen Wirkung. Aber sie verlangen ein hohes Mass an Durchhaltewillen und die Übungen müssen zusammen mit dem Partner wiederholt werden. Ein gutes Training verhindert das Versagen.
Einige Antidepressiva zeigen eine gewisse Wirkung und verzögern die Ejakulation etwas, allerdings, laut Probanden, meist nicht genug. Zudem bekämpfen sie nur das Symptom, nicht die Ursache. Das heisst die Wirkung ist weg, sobald das Medikament nicht mehr eingenommen wird.