Jeder Mensch möchte so angenommen werden wie er ist. Er sucht nach Akzeptanz. Er möchte dazugehören, sich aufgehoben, sich geliebt fühlen. Die Geschlechtsidentität und die Identität der sexuellen Orientierung gehören zu den Grundlagen der Persönlichkeit, die akzeptiert sein wollen.
Bereits in der sensiblen Phase des Coming-out ist der noch oft junge schwule Mann gefordert. Er muss seine eigene Sexualität erkennen und akzeptieren lernen; dafür hat er meist weniger Unterstützung und Vorbilder wie seine heterosexuellen Kollegen. Auch wenn heute in der Schweiz Homosexualiät mehr oder weniger toleriert ist, sind homophobes Misstrauen oder explizite Homofeindlichkeit sehr verbreitet. Dem entgegen gilt es sich zu etablieren. Homosexualität an sich hat kein krankmachendes Potenzial. Es ist die Stigmatisierung durch die Gesellschaft, die schwule Männer / MSM krank macht. Das Sich-erklären-müssen, das Ringen um Akzeptanz oder das Verstecken und Verleugnen kosten viel Energie, und dieser Aufwand hat auf Dauer seinen Preis.
Wenn zu diesem Stresspotenzial noch zusätzliche Belastungen kommen – wie Schwierigkeiten in der Beziehung oder Einsamkeit, Überlastung am Arbeitsplatz oder Arbeitslosigkeit, eine HIV-Diagnose oder ein Unfall … – kann ein Mann die positive Perspektive für sein Leben verlieren, aus der Balance geraten oder psychisch krank werden.
Dann gilt es, die Ressourcen eines Menschen zu stärken, seine Kräfte zu fördern, ihm Unterstützung anzubieten, ihm Strategien und Wege zu zeigen in ein eigenständiges und zufriedenes Leben. Denn dies steht jedem zu.