Während den ersten 15 Jahren der Aids-Epidemie gab es wenig Behandlungsmöglichkeiten. Seitdem hat die Grundlagenforschung jedoch äusserst wirksame Medikamenten hervorgebracht, mit denen die Vermehrung des HIV gebremst und die Entwicklung des Vollbildes Aids hinausgeschoben werden kann. Zudem ist es heute möglich, den meisten opportunistischen Infektionen vorzubeugen oder sie zumindest erfolgreich zu behandeln.
Kurz, HIV-positive Menschen leben heute länger und besser. Aber von der “Wunderpille” gegen Aids sind wir noch weit entfernt, obwohl diese schon öfter in den Medien angekündigt wurde.
Die grosse Medikamentenfamilie
Im Rahmen der antiretroviralen Therapie (ART; auch Hoch Aktive ART = HAART genannt) werden derzeit folgende Medikamentengruppen gegen HIV eingesetzt oder erprobt:
NRTI (Nukleosidale und Nukleotidale Reverse-Transkriptase-Inhibitoren) schleusen sich als falsche Bausteine in die menschliche Zelle ein. So kann das HIV-eigene Reverse-Transkriptase-Enzym die Viruserbinformation nicht mehr passend auf die menschliche Erbinformation umschreiben.
NNRTI (Nicht-Nukleosidale Reverse-Transkriptase-Inhibitoren) dagegen binden sich direkt an das Enzym des HIV (Reverse-Transkriptase), das für das Umschreiben der Erbinformation verantwortlich ist, und blockieren dieses.
PI (Protease-Inhibitoren) hemmen das Enzym Protease, das die Virusvorstufen zu HIV umwandelt. Damit wird die Produktion neuer Viren in den menschlichen Zellen vermindert.
Entry-Inhibitoren blockieren den Eintritt von HIV in die menschliche Zelle. So verhindern zum Beispiel Fusionsinhibitoren, dass HIV nach dem Andocken an eine Zielzelle mit dieser verschmilzt (fusioniert).
Integrase-Inhibitoren hemmen das HIV-eigene Enzym Integrase, das die umgeschriebene Virus-DNA in die menschliche DNA einbaut.
Bei der antiretroviralen Therapie werden verschiedene Anti-HIV-Medikamente miteinander kombiniert, um so die Wirkung der Behandlung zu erhöhen. In der gängigen Tri-Therapie werden zwei Transkriptase-Inhibitoren und ein Protease-Inhibitor kombiniert. Im allgemeinen besteht eine Therapie aus 2 – 5 Medikamenten.
Woran scheitern Therapien?
Bei vielen Patienten führen die Medikamente zu starken Nebenwirkungen: Durchfall, Unwohlsein, Neuropathien (Schädigung der Nervenzellen), Lipodystrophie (Umverteilung des Fettes am Körper: Eingefallenes Gesicht, Rettungsringe im Bauchbereich), psychische Effekte (Schwindel, Gemütsprobleme, Depression). Gerade zu Beginn einer Therapie führen diese Nebenwirkungen zur Vernachlässigung und letztlich zum Abbruch. Treten solche Beschwerden auf, solltest du diese mit dem Arzt besprechen. Vielleicht verträgst du eine andere Medikamentenkombination besser.
Der strikte Einnahmeplan kann mit deinem aktiven Sozialleben in Clinch kommen. Diese Behandlungen sind oft kompliziert, obwohl man heute versucht, mehrere Wirkstoffe in einer Dosierung zu kombinieren. Doch nur wenn du dein Leben und die Therapie in Einklang bringen kannst, stellt sich der Erfolg dauerhaft ein.
Die Medikamente werden effizienter und weniger Menschen sterben an Aids. Auch die schweren Krankheiten, die eine HIV-Infektion zur Folge haben kann, werden seltener. Doch auch Kombinationstherapien machen die HIV-Infektion nicht rückgängig.